Mititei (sprich Mititeï) stammen aus Rumänien und sind entfernt verwandt mit den in der Schweiz fast überall erhältlichen Cevapcici (Ćevapčići). Man erhält sie unter weiteren Namen in zahlreichen Balkanstaaten, aber auch in Bulgarien und Moldawien. Man brät oder grilliert sie in Rumänien vorwiegend im Sommer und dann meist bei festlichen Veranstaltungen, in Vergnügungsparks und Jahrmärkten. Direkt vom Grill schmecken sie am besten. Das rumänische Gericht war eine Leibspeise der Cheresteş' und wurde demzufolge von Luiza Cheresteş bei den gemeinsamen Essen am Freitag Abend recht oft zubereitet. Das häufige Auftreten dieser Grillwürstchen ergab sich dadurch, weil Luiza Cheresteş in aller Regel immer ein Viergang-Menü zubereitete: Eine Vorspeise, 2 Hauptgänge und eine Nachspeise. Die Mititei gehörten dann immer zur Vorspeise. Und vor der Vorspeise gab es zuerst einmal einen Ţuică (sprich Zuicə), damit die Speiseröhre für die rassig gewürzten Würstchen anständig vorbereitet war. Auch zu den Mititei trank man in der Regel einen Ţuică, erst dann folgte der Wein.
Ein wenig archaisch wirken für den Mitteleuropäer die etwas älteren Rezepte für diese Würstchen, denn es steht dort manchmal noch geschrieben, dass man das Fleisch für die Würstchen einem soeben geschlachteten Rind aus dem noch dampfenden Leib heraus trennen müsse! Noch 1990 steht im Lexikon der Küche von Richard Hering, dass man für die Mititei schlachtwarmes Rindfleisch zu verwenden habe. In moderneren Rezepten liest man nichts mehr dergleichen. Da die Rumänen mindestens 20 Nationalgerichte kennen, gehören, wie könnte es anders sein, auch die Mititei dazu. Sie haben die gleiche Bedeutung, wie bei uns ein guter Grill-Servelat, nur sind diese Würstchen, wie mir scheint, noch einen Tick besser. Wenn man gegenüber einem Rumänen das Wort Mititei fallen lässt, dann hellen sich seine Gesichtszüge sofort auf und er gerät in eine Art Verzückung. Dieses zeigt, dass an dem Würstchen was dran sein muss. Bis man es allerdings schafft, einen Rumänen mit den schweizerischen Kochgewohnheiten in Verzückung zu bringen, muss man schon ein paar Mal üben. Als ich sie zum ersten Mal briet und Joan Cheresteş vorsetzte, hat er nicht einmal gemerkt, dass dies Mititei hätten sein sollen.
Die Mititei brate ich auch heute noch regelmässig. Sie werden von meinen Kindern heiss geliebt und wenn alle vier am Tische sitzen, dann brauchte es früher, als sie noch klein waren, mehr als 20 Stück. Da sie heute alle vier mit Partnern erscheinen, sind 50 Stück gerade angemessen. Da diese Würstchen seit 1975 zum Grundstock der Wirz'schen Rezeptsammlung gehören, gelten sie als Familienrezept und erscheinen deshalb in der OGS-Seebach. Da sie aber bis heute in der eigenen Klausenburger Art von Luiza Cheresteş zubereitet werden, sei das Rezept ihr gewidmet.
Mititei gelten in Westeuropa bei vielen Leuten als archaische Art, gehacktes Fleisch zu essen. Bei den Liebhabern hingegen, allen voran jenen, welche den Aufwand nicht scheuten und sich einmal in einem südösteuropäischen Kulturland umgeschaut haben, sind und bleiben sie in alle Ewigkeit der Inbegriff des natürlichen Essens.
Zutaten für 4 Personen
- 600 g Hackfleisch vom Rind - 1 grosse Zwiebel, in feine Würfelchen geschnitten (Schalotten eigenen sich nicht!) - 3 grosse Knoblauchzehen, in feine Würfelchen geschnitten - 3 EL Olivenöl - 1,5 dl Rindsbouillon - wenig Nelkenpulver - Thymian, ganz fein geschnitten oder aus dem Döseli - Koriander, ganz fein geschnitten oder aus dem Döseli - Bohnenkraut, ganz fein geschnitten oder aus dem Döseli (es müssen nicht alle 3 Kräuter zugleich benützt werden) - etwas Backpulver - schwarzer Pfeffer, frisch gemahlen - Cayenne-Pfeffer - Salz
Zubereitung
- Zwiebel und Knoblauch zum Fleisch geben.
- Salz, Kräuter und Gewürze im Mörser zermahlen und zum Fleisch geben. Bouillon und Backpulver hinzu fügen und alles gut durchkneten. Einige Stunden zugedeckt in den Kühlschrank stellen
- Im heissen Öl ein kleines Stück vorbraten und die Würze prüfen. Falls nötig nochmals abschmecken
- Mit nassen Händen kleine Rollen von 3 x 7 cm formen und mit etwas Öl bepinseln
- In der Grillpfanne am Herd oder auf sehr heissem Feuer auf dem Grill von allen Seiten kurz anbraten und immer wieder wenden. Sie sollen aussen eine Kruste bekommen und innen saftig bleiben
- Servieren
- En Guete!
Bemerkungen
1. Mititei werden möglichst heiss gegessen, am Grillstand mit Brot und einem Bier, am Tisch mit Brot, Tomaten, Salzgurken, Knoblauchcrème (Mujdei) und Bier, seltener auch mit Kartoffelsalat. Anstelle von Mujdei kann man eine Knoblauchsauce für Fondue Bourguignonne verwenden, sie schmeckt ähnlich. Man bedenke aber, dass hierzulande viele Leute der Knoblauchsauce bis zum Kap der Guten Hoffnung ausweichen.
2. Die Mititei sollten nur mit Rindfleisch zubereitet werden, da man sie nicht ganz durchgebraten isst. So sind sie aussen schön knusprig und innen noch saftig. Bei anderen Fleischsorten, welche man ganz durchbraten soll, schmecken die Mititei trocken und etwas gummiartig und es fehlt ihnen der Pfiff des Ursprünglichen.
3. Für die Mititei gibt es mehrere regionale Rezepte, welche leicht voneinander abweichen, speziell bei der Würze und bei den Beilagen.